Alte Prägungen loslassen: “Darauf bin ich wirklich nicht stolz”

Es gibt etwas in meinem Leben als Mutter, auf das ich nicht gerade stolz bin. Dieses Etwas verfolgt meine Familie schon durch zwei Generationen, wahrscheinlich sogar viel länger, aber das entzieht sich meiner Kenntnis.

Alte Prägungen loslassen: Darauf bin ich wirklich nicht stolz

Ich bin als zweites Kind von insgesamt vier Kindern aufgewachsen und meine Kindheit war bestimmt nicht schlechter als die von vielen anderen. Aber auch nicht besser.

Mein Vater hatte eine Vorliebe für Akkordeonmusik und als ich langsam heranwuchs, machte er sich Gedanken über die Gefahren, die er auf uns lauern sah. Er wollte vermeiden, dass wir Heranwachsenden in unserer Freizeit rumhängen und so auf Abwege geraten könnten. Was lag also in seinen Augen näher, als die Akkordeonmusik mit der Freizeitplanung zu verknüpfen?

Unterricht in der Musikschule

Ich bekam Akkordeonunterricht, weil er diese Musik liebte und ich dadurch die Möglichkeit bekam, durch ein Hobby meine Freizeit strukturiert zu gestalten. Aus seiner Sicht eine schöne Sache, für die er so manches Opfer an Zeit und Geld brachte. Er selbst hatte leider durch den Krieg nie die Gelegenheit gehabt, ein Musikinstrument zu lernen.

Ich war nicht unbegabt und machte sehr schnell Fortschritte. Bald schon spielte ich nicht nur im Einzelunterricht, sondern auch im Akkordeonorchester mit und ein Großteil meiner Freizeit wurde durch das Akkordeonspiel bestimmt. Ich hing nicht auf der Straße rum, der Plan schien auf zu gehen.

Alte Prägungen loslassen: “Das Dilemma mit dem Vorspielen”

Meine Kindheit war zu einem großen Teil dominiert von diesem Umgang mit Musik und ich kann noch nicht einmal sagen, dass ich die Musik nicht mochte. Ich mochte Musik sogar sehr! Was sich aber gar nicht gut anfühlte, war das Vorspielen müssen, vor allen Dingen an Weihnachten. Die ganze Verwandtschaft sang zu meinem Akkordeonspiel und ich wurde geradezu genötigt, das ganze Repertoire der Weihnachtslieder aufzuspielen.

Meine drei Geschwister kämpften inzwischen mit ihrer Eifersucht und ihrem Genervt Sein durch diesen Rummel um mein Akkordeonspiel. Auch das fühlte sich nicht gut an. Wenngleich ein Teil von mir diese Aufmerksamkeit auch genießen konnte.

Ich bin mir sicher, dass es solche oder ähnliche Geschichten in Massen in jeder Familie gibt,  weil Eltern ihre ungelebten Wünsche auf ihre Kinder übertragen. Alles in der Hoffnung, ihr Leben quasi noch im Nachhinein zu erleben, indem sie ihre Wünsche den Kindern überstülpen. Hier könnte die Geschichte jetzt eigentlich zu Ende sein. Ist sie aber leider nicht!

Unser Sohn zeigte Interesse für Musik


Als unser Sohn im Grundschulalter war, fing er an, auf dem Klavier herumzuklimpern. Er tat das in großer kindlicher Unschuld und Freude am Töne erzeugen. Ich merkte sehr schnell, dass er sehr begabt für dieses Instrument war und fing an, ihm einiges beizubringen.

Ich fühlte denselben Stolz, den damals wohl auch mein Vater gefühlt hatte, als sein Kind die ganze Verwandtschaft beglückte und tappte in die Ego Falle!

Sehr schnell meldete ich unseren Sohn zum Musikunterricht an und anfänglich machte es ihm auch großen Spaß. Er hatte eine ausgesprochene Begabung für das Klavier, das erkannte auch der Musiklehrer und gemeinsam versuchten wir beide das Talent zu fördern wo es nur ging. Ehrgeiz übernahm die Führung und ich fühlte mich förmlich getrieben, das bestmögliche aus diesem Talent heraus zu holen.

Es wiederholte sich dieselbe Situation aus meiner Kindheit und ich erkannte nicht rechtzeitig, wie stark der Druck war, der auf dem ganzen Klavierspiel lastete. Leider verlor unser Sohn immer mehr die Freude am Musizieren und daran konnte auch ein Lehrerwechsel und später auch ein Instrumentenwechsel zum Keyboard nichts ändern. Heute rührt er das Klavier überhaupt nicht mehr an und ich weiß genau wieso! Es macht einem Kind einfach kein gutes Gefühl, wenn es so starke Aufmerksamkeit nicht um seiner selbst willen bekommt, sondern nur, weil es gut Klavier oder Akkordeon spielen kann.

Das hatte ich nicht gewollt!

Der wunderbare Impuls und die Liebe zum Musik machen ist bei ihm durch dieses unbewusst weitergegebene Muster meiner eigenen Kindheit leider vollkommen abgestorben und das alles tut mir heute noch sehr leid. Es gehört zu den Dingen, auf die ich wirklich überhaupt nicht stolz bin und ich würde es gerne wieder gut machen.

Alte Prägungen loslassen:

Inzwischen ist mir das alles sehr bewusst geworden und ich bin froh, immer mehr dieser alten Prägungen an mir zu entdecken, damit ich sie endlich loslassen kann und nicht unbewusst weitergebe.

In welchem Bereich lebst Du den Traum Deiner Eltern und gibst eventuell dieses Muster noch an Deine Kinder weiter?

 

Zusammenfassung
Alte Prägungen loslassen: Darauf bin ich wirklich nicht stolz
Alte Prägungen loslassen: Darauf bin ich wirklich nicht stolz
Kurzbschreibung
Es gibt etwas in meinem Leben als Mutter, auf das ich nicht gerade stolz bin. Dieses Etwas verfolgt meine Familie schon durch zwei Generationen, wahrscheinlich sogar viel länger, aber das entzieht sich meiner Kenntnis.
Autor
Do NOT follow this link or you will be banned from the site!

Subscribe To Our Newsletter

Join our mailing list to receive the latest news and updates from our team.

You have Successfully Subscribed!